Allgemeiner Politik Thread

Dieses Thema im Forum "Archiv - Off Topic" wurde erstellt von Niedersachse, 15. November 2008.

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  1. Bremen

    Bremen Moderator

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    Der Katholizismus hat den Grundsetein dahingehend gelegt, daß im 16 Jhd. die durch moderne Kräfte angestrebte Reformation der römisch-katholischen Kirche gescheitert ist. Dadurch kam es zu dem von maddin bereits beschrieben Abspaltungsprozeß des Protestanismus, dessen Namen von der Speyerer Protestation herrührt.
     
  2. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Schade ist, dass man Ratzinger hierzulande aufgrund der verbreiteten Katholikenphobie nicht zugehört hat. Er hatte nämlich durchaus etwas zu sagen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Papstzitat_von_Regensburg

    Es zeigt sich, wie tief auch die katholische Theologie von der Aufklärung und dem Glauben an die Vernunft des Menschen durchdrungen ist, zumindest bei Ratzinger. Es ist vor diesem Hintergrund umso bezeichnender, dass diese ausgesprochen moderne und wertvolle Rede als besonders reaktionär oder als Botschaft des Hasses gebrandmarkt wurde, war es doch eine Aussage der Vernunft.
     
  3. Bremen

    Bremen Moderator

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    @ Spreewerder

    Ich vermute, du unterschätzt den tiefsitzenden Glauben bei vielen Katholiken in vielen Teilen der Welt; übrigens auch in Deutschland und dem übrigen Europa - trotz verkrusteter Strukturen, Ansichten und vielen Skandalen. Wenn es jemals zu einem rapiden Absturz der katholischen Amtskirche kommen sollte, so wird unsere Generation bestimmt nicht diejenige sein, die das miterlebt.
     
  4. gelöscht

    gelöscht Guest

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    ISt nicht uninteressant, aber leider auch nicht gelungen. Allein das Wort vom "Diskurs", insbesondere das vom "herrschaftsfreien" sollte man nicht so affirmativ im Munde führen, wenn man die hierzulande vorherrschende Einheitsmeinung kritisiert.
     
  5. Man kann einen Prozess auch auf den Teil eines Ergebnisses reduzieren.
     
  6. SRKKGURU

    SRKKGURU

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    Alle heutigen Glaubensgemeinschaften sind schlußendlich aus der katholischen Kirche hervorgegangen - weil unsere Vorfahren von Heiden zu Christen wurden. Erst gab es katholische Christen, dann die anderen !
    Die Christen übrigens, sind aus dem Judentum entstanden.
    Einfach mal als Anmerkung !
     
  7. Was passiert eig., wenn bis Ostern kein neuer Papst gewählt wurde?
    Wer gibt dann den Segen "Urbi et orbi"?
     
  8. Nein den unterschätze ich keineswegs, und ich sprach auch nicht vom rapiden Absturz bzw. konkreten Zeiträumen. Aber Tatsache ist, daß gerade in Europa, der Einfluß der katholischen Kirche seit Jahren zurückgeht. Das sieht in anderen Teilen der Welt (z.B. Mittel- und Südamerika) ganz anders aus, da bestimmt der katholische Glauben nach wie vor die Gesellschaft.
    Und zum Thema zurück, nach meiner Meinung wurde Ratzinger hier oft verklärt gesehen, da er ja der erste deutsch Papst seit ewig war. Seine Bilanz ist aber eher ernüchternd, die drängenden Probleme der Kirche wurden nicht, oder nur sehr zögerlich angepackt. Als Theologe ist er sicher weltweit sehr anerkannt und geschätzt, als Kirchenpolitiker wohl eher schwach. Dazu kam sicher auch, daß er auf einen überragenden Vorgänger folgte, der durch seine Rolle beim Umgang und Zusammenbruch des Ostblocks, eine einmalige historischen Strahlkraft besitzt.
     
  9. @maddin
    Die katholische Kirche und ihre Lehre bilden eben auch einen Grundstein für die Aufklärung, die Moderne, für die positive Entwicklung Europas im Vergleich zu anderen Weltgegenden. Man ist heute sehr schnell dabei, die katholische Kirche zu verdammen, weit reaktionärere Ideologen aber freizusprechen.
    :tnx::tnx:


    Benedikt hatte und hat meinen höchsten Respekt!

    Ich habe mich durch einige seiner Bücher buchstäblich „durchgekämpft“, zumindest für mich schwere Kost, aber immer lohnend. (Zum „Einstieg“ reichen beispielsweise Interview-Bücher wie „Gott und die Welt“; allgemeinverständlich.)
    Man muss nicht alle seine Ansichten verstehen oder gar teilen, aber es ist unbedingt lohnend, dem Warum nachzugehen. Benedikt hat sich geweigert, dem Zeitgeist und der Beliebigkeit das Wort zu reden, das ist per se erst einmal nichts Schlechtes, im Gegenteil.
    Dieser Mann mit seinem überragenden Intellekt hatte und hat etwas zu sagen (wie maddin sagt, schon allein seine Regensburger Rede); insofern war er in seinem Amt als Papst fast „verschwendet“.
    Wie auch der Artikel in der ZEIT

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-02/benedit-ruecktritt-heimkehr-ratzinger

    richtig feststellt, Benedikt ist kein Machtmensch, dieser Job, den er nicht gewollt hat, hat ihn aufgerieben (von seinem Alter einmal ganz abgesehen). Insofern ist sein Rücktritt nachvollziehbar und vernünftig.
    Zudem zeigt es, dass er sich nicht wie z.B. Johannes Paul - seine unbestrittenen Verdienste außen vor -, für unentbehrlich hält.
    Seinen Rücktritt jetzt wieder zum Anlass zu nehmen, seine Kirche lediglich an Missbrauch, Zölibat, AIDS, etc. festzumachen, ist billig und einfach.

    Wie cornholio sagt,
    „Nicht die Kirche ist das Problem, sondern einzelne Menschen. Und wenn es Menschen gibt, denen ihre Religion hilft, die ihre Religion brauchen, dann ist das doch etwas Gutes. „
     
  10. Hier ist der wahre Grund, wieso Papst Benedikt zurück getreten ist. Er hat Sonntag im Lotto gewonnen.
     
  11. Unglaublich witzig ...........
     
  12. Bremen

    Bremen Moderator

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    Korrekt, den rapdiden Absturz habe ich eingeworfen und das auch nur im Konjunktiv. Und zwar deshalb, weil der seit Jahren sinkende Einfluß der KK stets sehr moderat verläuft, eben weil wie von mir erwähnt in vielen Regionen der Glauben noch sehr tief sitzt, auch in Europa, auch in Deutschland. Er bestimmt hierzulande zwar nicht die Gesellschaft im großen Maße, aber ist nach wie besonders in den tiefkatolischen, ländlichen Gegenden in den Köpfen der Menschen fest verankert. Deshalb bedarf es schon den von mir eingeworfenen rapdiden Absturz, damit die KK merkt, daß viele ihrer Ansichten nicht mehr zeitgemäß sind.
     
  13. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Andere Religionen mit antimodernen Ansichten feiern weltweit fröhliche Urstände, seien es evangelikale oder andere christliche Sekten oder der radikale Islam, der Salafismus etc. Das liegt daran, dass der Katholizismus eine verkopfte Intellektuellenreligion ist, in der Theologie und Philosophie eine große Rolle spielen. Die Massen von heute wollen Identität, klare Handlungsanweisungen und jede Verantwortung an eine höhere Instanz abgeben, wollen nichts davon wissen, dass Gott von jedem einzelnen Menschen verlangt, seinen Verstand zu benutzen und vernünftig zu handeln. Der Anachronismus ist gerade das, was an der katholischen Kirche in geistlosen Zeiten wie diesen sympathisch ist.
     
  14. Bremen

    Bremen Moderator

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    Etwa die katholische Kirche, die einst religös motivierten Völkermord (die sog. Kreuzzüge) betrieb und für die Verfolgung und Inquisition von Andersgläubigen stand? Und was ist aufgeklärt und modern an der Ablehnung der Anti-Baby-Pille, dem Zölibat oder nur Männern die Amtsweihe vorbehalten ist?
     
  15. Bremen

    Bremen Moderator

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    Das muß man der katholischen Kirche in der Tat lassen: trotz ihres Anachronismus existiert sie seit knapp 2000 Jahren weltweit verbreitet, der Kommunismus ist mit seinem Anachronismus nach nicht einmal 200 Jahren beinahe vollständig in der Bedeutungslosigkeit versunken.
     
  16. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Der Katholikenhass ist eben Ausdruck davon, dass wir in Deutschland schlecht getaufte Heiden sind. Lieber als an mit dem Anspruch auf Allgemeingültigkeit vorgetragene religiös-philosophische Thesen halten wir es mit subjektivistischer Willkür, banalem Positivismus, geistlosen Patchwork-Religionen und dummdoofster Esoterik. Oder mit dem Islam.
     
  17. Du gehst von einem falschen Ansatz aus:
    Die Kirche sieht ihre Aufgabe nicht daran, zeitgemäß zu sein, sondern das Wort Gottes in seiner reinen Form zu verkünden. Und das Wort Gottes ist eben ist nicht der Mode oder dem Zeitgeist unterworfen und somit nicht verhandel- oder auslegbar (immer vom Standpunkt der Kirche aus natürlich).

    Ich sage das ganz wertfrei; da ich evangelisch bin, kann ich leicht Einiges an der KK mit einem Kopfschütteln abtun ..............

    An "meiner" Kirche gibt es genug zu kritisieren: Sie hat seit Jahren nun sämtliche Register gezogen, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, bis hin zum Skurrilen; Erfolg: Gleich 0 (Ich habe zwei Bekannte, die Pastoren sind, der eine zieht alle Vierteljahr ein neues "Event" auf, derzeit "Christen für Tempo 30"; der andere hatte - o.k. mit Zustimmung des Presbyteriums - beschlossen, dass einmal im Monat Gottesdienst ausreicht; man könne Gott auch beim Hip-Hop loben. Erfolg: Erst mußte die Kirche an die Griechisch-Orthodoxen vermietet werden, jetzt ist sie eine Edelkneipe). Offenbar verträgt der liebe Gott also auch nicht allzu viel Progressivität ;); die evangelische Kirche hat die gleichen Probleme mit ihren Gläubigen.

    Dabei müßten doch eigentlich die ganzen - angeblich Millionen -unzufriedenenen Katholiken mit Hurra zu den Protestanten überlaufen (vorausgesetzt, es sind wirklich Gläubige, die lediglich mit seinen "Vertretern auf Erden" unzufrieden sind) ................?
     
  18. SRKKGURU

    SRKKGURU

    Ort:
    NRW
    Die Christenheit existiert seit etwa 2000 Jahren. Es gab von Anfang an keine katholische Kirche. Es gab Bischöfe und Gemeinden.
    Das Papsttum gibt es erst seit dem 6 Jahrhundert n.C. .
     
  19. Bremen

    Bremen Moderator

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    Eine anderen Meinung oder anders zu sein, bedeutet nicht automatisch Hass haben. Aber Anders = Hass ist exakt die Denkweise, mit der früher die Kreuzzügler "im Namen des Herren" Angehörige anderer Religionen verfolgt und ermordet haben. Oder heute die islamischen Fundamentalisten.
     
  20. Bremen

    Bremen Moderator

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    Auch wenn es jetzt an Haarspalterei grenzt: ich habe nicht eine nicht zeitgemäße Kirche angeprangert, sondern deren Ansichten.

    Kirche oder besser Religionen haben stets viel mit Traditionen zu tun und das befürworte ich auch, denn es ist in unserer heutigen Gesellschaft leider viel zu selten geworden, daß man sich seiner Wurzeln besinnt. Aber wenn die Kirche den legitimen Anspruch nimmt, für die Menschen präsent zu sein, dann muß sie bezüglich ihrer Ansichten zu Themen wie Verhütung, Gleichberechtigung von Mann und Frau etc. mit sich selbst in Exerzitien gehen; denn nur so kann die Kirche Vertrauen, Zuspruch vllt. auch sogar die Begeisterung der Menschen gewinnen. Es ist nicht die Kirche selbst, die sich in den letzten Jahrzehnten von den Menschen entfernt hat, es sind ihre Ansichten.