Allgemeiner Politik Thread

Dieses Thema im Forum "Archiv - Off Topic" wurde erstellt von Niedersachse, 15. November 2008.

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  1. Besagter alter Deutschlehrer war anscheinend auch ein Kumpeltyp. :D


    Nochmal: Wenn wir hier von Autorität reden klingt immer der Stereotyp des strengen und dominanten Lehrers mit. Aber nochmal: Autorität und ernsthaftes Interesse am Schüler schließen sich nicht aus. Es gibt sogar Schülerbefragungen, denen zu folge bestimmte Formen der Autorität sogar als menschliche Wärme wahrgenommen werden. Das Interesse am individuellen Schüler und die Berücksichtigung dessen einzelner Situation wird durch den Führungsstil, der Lernstörungen beseitigt nicht ausgeschlossen. Nur ist diese Störung eben nicht unbedingt der Schüler selber.
    Ohne die individuelle Komponente werden die Lehrer der Zukunft aber verloren sein, weil auch am Gymnasium die Schülerschaft noch uneinheitlicher ist als sie früher schon war. Das ist im Übrigen kein Plädoyer gegen Frontalunterricht oder gegen sonst ein absolut formuliertes pädagogisches Allheilmittel. Klar ist nur, dass Lehrkräfte die Entwicklung an Schulen mitgehen müssen. Probleme wie stark unterschiedliche Leistungs- und Verhaltensdifferenzen zwischen vom Elternhaus angelieferten Schülern bestehen eklatant - nur der Befund alleine reicht ja nicht aus, darauf reagieren zu können.
     
  2. Bremen

    Bremen Moderator

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    Ja und Nein. Einerseits ist der Autoritätsverlust der Lehrer unübersehbar und stellenweise auch bedenklich (auch wenn in früheren Jahren ihre Autorität gerade in ländlichen Gegenden auf fast einer Ebene mit dem Bürgermeister und dem Pfarrer/Pastor deutlich zu hoch angesiedelt war). Dennoch muß in unserer heutigen Zeit ein Lehrer genau so wie eine Führungskraft in einem Unternehmen einen gesunden Spagat zwischen Führung und Forderung auf der einen Seite sowie individueller Förderung auf anderer Seite finden, denn mit Autorität und Pauschalkeulen allein kann man keine Menschen formen, die selbstständig, eigenverantwortlich und motiviert mit dem notwendigen Rüstzeug an ihr Tagwerk gehen.


    Ist traurig, aber leider die Realität.
     
  3. :eek::eek:
    Naja, als Masch'bauer muss ich ja keine Rechtschreibung beherrschen.

    Natürlich schließen sich Autorität und Interesse am Schüler nicht aus. Im Gegenteil. Man kann ja auch argumentieren, dass die Autorität dazu führen soll, dass der Schüler was lernt. Und unter Autorität verstehe ich auch nicht, dass ein Lehrer wild rumschreit und pausenlos Strafarbeiten verteilt. Der Idealfall ist eine natürliche Autorität. Es gibt einfach diese Lehrer, bei denen weißt du gleich was Sache ist und da wird nicht pausenlos gestört. Aber diese Eigenschaft kann nicht jeder Mensch mitbringen. Und wahrscheinlich schon gar nicht zu Beginn seiner Laufbahn.
    Und natürlich müssen sich Lehrer weiterentwickeln und mit der Zeit gehen, weil kaum ein Beruf schonungsloser die Entwicklung der Gesellschaft täglich vor Augen geführt bekommt. Dennoch kann es imho nicht Aufgabe des Lehrers sein sämtliche, unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder (damit meine ich die geistigen Fähigkeiten) zu berücksichtigen und abzufedern. Dafür gibt es nunmal unterschiedliche Schulformen und es ist doch völlig ok, dass einige Schüler ein Gymnasium nicht schaffen.
    Ich habe den Eindruck, dass zuviele Eltern denken, ihr Kind hätte heutzutage ohne Abitur keine Chance mehr (was ich für völligen Schwachsinn halte) bzw. sie für sich und ihre Außendarstellung unbedingt wollen, dass ihr Kind aufs Gymnasium geht. Das andere Extrem sind dann Eltern, die sich gar nicht kümmern, bzw. die begabte Kinder auf ne Hauptschule (oder wie das heute auch heißen mag) schicken, wo sie völlig unterfordert sind.

    Ich will mit keinem Lehrer tauschen und weiß wie schwer dieser Job ist.
     
  4. gelöscht

    gelöscht Guest

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  5. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Da frage ich aber: In Bezug worauf?

    In Bezug auf die alltäglichen Dinge ist es doch eher so, dass man verlangen muss, dass alle pünktlich sind, alle ihre Aufgaben erledigen, alle denselben Stoff und dieselben Lernziele verinnerlichen. Individuell kann doch immer erst die Reaktion auf das sein, was ein Schüler leistet. Eingriffe in die Persönlichkeit und rankumpeln bringt ich für viel eingreifender und im Zweifel auch erniedrigender für den Schüler als ein klares, ehrliches Feedback zu seiner Leistung, also zu dem, was er in der Schule gezeigt (oder nicht gezeigt) hat. Gleichzeitig muss man von dem Schüler erwarten, dass er sich mehr anstrengt und seine Leistungen verbessert. Aber von jedem, nicht nur von einem, der in der letzten Klassenarbeit eine 5 hatte.
     
  6. Vieles davon würde ich unterschreiben. Vor allem, dass es in erster Linie nicht darauf ankommt, wieviele tolle Lehrräume mit Computern eine Schule hat, sondern dass man die Lehrer ständig weiter- und fortbildet.
    Und auch, dass Lehrer die Anleitung geben müssen und nicht nur als Moderator fungieren. Das kann Nena gerne in ihrer eigenen Schule machen. :D Oder wenn ich den Herrn Precht dazu lese: Noten, Sitzenbleiben, Fächer und Unterrichten in Altersklassen abschaffen.... da fällt mir nichts mehr ein.
     
  7. Ich finde Hatties Studie auf der einen Seite sehr wertvoll. Auf der anderen Seite stört, wie inflationär sie z.T. zu Rate gezogen wird ohne auf die ganz klaren methodischen Schwächen zu verweisen. Hatties Ergebnisse sind erstmal nicht mehr als bloße Indikatoren ohne jedwede Inbezugssetzung zueinander. Mein Lieblingsbeispiel dessen ist immer Hatties Befund, Fernsehgucken sei lernhinderlich.
    Soweit so gut. Ich würde jetzt aber gerne fragen, wie alt das Kind ist, wie lamnge es Fernsehen guckt, ob es Dokumentationen oder Teletubbbies sieht und ob es die Tagesschau verfolgt oder stattdessen der Fernseher während den Hausaufgaben läuft oder Sport1-Sportclips bis 2:00 Uhr, wenn die Schule am nächsten Morgen um 8 beginnt.
    Wichtig finde ich das, was Hattie als ersten Indikator und lernförderlichsten Faktor von allen ausmacht: Feedback für den Schüler selber. Klassengrößen hingegen seien per se erstmal gar nicht relevant. Ich sehe das zwar ähnlich. Bedenkt aber: Wenn die Klasse kleiner ist, fällt ebenjenes differenziertes Feedback automatisch leichter.

    Also Vorsicht mit Hattie. Seine Studie vernachlässigt den Transfer und die Bezüge seiner einzelnen Ergebnisse.

    Witzigerweise ist es so, dass Lehrer i.d.R. gar nicht so gut auf Hattie zu sprechen sind. Er formuliert den Lehrer als wesentlichsten Gelingensfaktor für den Unterricht. Das erscheint absolut offensichtlich und kann auch von vielen aus der eigenen Schulerfahrung heraus bestätigt werden. Trotzdem benennt Hattie hiermit die Verantwortung, die Lehrkräfte sowieso haben. Und dass Unterrichtsstörungen und damit Misslingenssituationen auch am lehrer liegen können (nicht müssen - damit wären wir aber trotzdem wieder beim Trainingsraum), hören die Lehrer selber natürlich gar nicht gerne.
     
  8. Wobei die Bedeutung der Lehrperson ja nicht ausschließt, dass Reformen bezüglich von Noten, Schulstruktur und Lernkonzepten nicht trotzdem Vorteile haben. Die hohe Bedeutung der Lehrperson erlaubt eben nicht den Umkehrschluss, dass alles andere vernachlässigt werden sollte.
     
  9. Natürlich sollten andere Dinge nicht vernachlässigt werden. Aber was man in erster Linie in der Hand hat, ist die Unterrichtsgestaltung und ich gehe konform damit, dass diese den absolut größte Einfluss auf den Lernfortschritt der Schüler hat. Alles Andere muss natürlich auch hinterfragt werden.
    Ich bin aber einfach dafür, dass es richtig ist, bis zur Oberstufe alle Fächer zu unterrichten, um eine gewisse Basis zu legen. Die Spezialisierung, die Schüler heute mit 16 schon wählen, halte ich für früh genug. Wer soll denn vorher schon entscheiden, was die Kinder lernen sollen? Das man das Notensystem überdenkt und gegebenenfalls überarbeitet, halte ich für ok, aber dennoch sind sie imho generell alternativlos. Aber für Vorschläge bin ich offen.
     
  10. DR AKR

    DR AKR Guest

    So etwas kennt man ja schon aus Waldorfschulen. Die haben natürlich auch ihre Daseinsberechtigung, schließlich haben sie genügend Zulauf.

    Dieses Vorgehen zu vereinheitlichen und auf alle auszudehnen, halte ich auch für falsch. Wie für viele Bereiche des Lebens ist auch hier eine gewisse Angebots- Vielfalt mMn eher positiv.
     
  11. Zumal ihre Absolventen im Schnitt an Hochschulen nicht schlechter abschneiden.
     
  12. DR AKR

    DR AKR Guest

    :tnx: Insbesondere in künstlerischen und technischen Berufen.
     
  13. Ich kenne mich mit Waldorfschulen nicht aus und weiß nicht, ob die einheitlich sind, aber mein Cousin ist auf einer und hat nach dem 12. Schuljahr gerade mal die mittlere Reife. Fürs Abi muss er noch zwei Jaher dranhängen. Also 14 Schuljahre. Und wenn ich mir das Niveau anschaue, wenn er mal zu Besuch ist und ich ihm bei Hausaufgaben geholfen habe.... das war erschütternd.
    Aber ich will das nicht verallgemeinern und stimme auch dem DR zu, dass diese Schulen ihre Daseinsberechtigung haben.

    btw: aber auch dort gibt es Altersklassen, Fächer und Noten..... zumindest bei der Einen, die ich kenne.
     
  14. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Waldorfschulen sind Tore zur Hölle. Dass man einer Irrlehre gestattet, Schulen zu betreiben, ist der Witz überhaupt.
     
  15. Bremen

    Bremen Moderator

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    Der Bezug waren nicht die alltäglichen Dinge, sondern der Umgang mit den individuellen Stärken und Schwächen.

    Ich erlebe es gerade in Klasse meiner Tochter (8. Jahrgang) , wo die Mathelehrerin sich einerseits bei uns Eltern über die im Jahrgangsvergleich schlechteren Beurteilungen der Klasse klagt, sie aber andererseits den Schülerinnen und Schülern, die den Ehrgeiz einer Verbesserung ihrer Beurteilungen haben, ihre Unterstützung verweigert. D.h. sie ist nicht willens, die individuellen Fragen zu beantworten, sondern verweist stattdessen auf die schulinterne Hausaufgabenhilfe oder das Elternhaus. Aber als Elternteil kann man auch nicht bei jeder schulischen Schwierigkeit des Nachwuchs weiterhelfen, so gerne man auch möchte, dafür ist die Schulzeit zu lange her bzw. hat man es sich bei gewissen Themen selbst schwergetan. Und diesen Widerspruch erlebt man bei einigen Lehrern: einerseits fordern sie vollkommen zu recht, daß SchülerInnen und Eltern an den schulischen Leistungen arbeiten, sie aber sich selbst auf den Habitus vergangener Jahrzehnte (s. meinen vorherigen Beitrag) ausruhen und gerade einmal Dienst nach Vorschrift absolvieren, indem sie sich gegen die individuelle Förderung sperren.

    Dieses Beispiel ist keine Pauschalkeule auf die Lehrerschaft, dafür habe ich sowohl während meiner eigenen Schulzeit als auch in der bisherigen Schullaufbahn meiner Tochter auch gute Lehrer kennengelernt. Aber es soll zeigen, daß wie in vielen Dingen des Lebens auch die Schulzeit nur dann funktionieren kann, wenn alle Zahnräder ineinandergreifen, sprich daß in erster Linie SchülerInnen und Eltern, aber auch der Lehrkörper darf sich den Erfordernissen gegenüber nicht verschließen.
     
  16. @Bremen

    Wenn Lehrer nicht auf die Fragen von Schülern eingehen, die das Bedürfnis haben besser zu werden, dann geht das gar nicht. Aber wie schon so oft gesagt. Es ist wie in jedem Beruf: es gibt gute und schlechte, motivierte und solche, die Dienst nach Vorschrift (wenn überhaupt) abreißen.
    Es ist leider wirklich so, dass man hoffen muss, vor allem wenns aufs Abi bzw. das Abschlusszeugnis zugeht, dass man gute Lehrer erwischt. Man kennt diese ja nach einigen Jahren auf der Schule und mal hat man Pech und mal Glück.
     
  17. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Du verwechselst Pluralismus mit dem souveränen Recht eines jeden Staates sich entsprechend eine eigene Einwanderungspolitik zu verpassen - ich habe über letzteres gesprochen. Der unten aufgeführte Link definiert Pluralismus korrekt.

    http://www.enzyklo.de/Begriff/Pluralismus

    Hier wird übrigens ganz gut beschrieben, was diesem Forum gut täte. Entsprechende Stellen bei Werder sind übrigens informiert.
     
  18. Wer denn zum Beispiel? Der Gleichstellungsbeauftragte mimosisch beleidigter Rechtspopulisten?
     
  19. gelöscht

    gelöscht Guest

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    Danke für die erneute Beleidigung, es ist gar nicht schwierig die notwendigen Beweise zu liefern.